Organtransplantation aus Kinderwunsch

Etwa 10.000 bis 15.000 Frauen in Deutschland haben von Geburt an keine oder eine zu kleine Gebärmutter und können deshalb keine eigenen Kinder bekommen. Andere haben durch Unfall oder Infektion ihre Gebärmutter verloren. Dem unerfüllten Kinderwunsch dieser Frauen kann nun möglicherweise beigekommen werden. Eine Transplantation der Gebärmutter ist inzwischen möglich, kann gelingen und wie nun bereits einige kerngesunde Babys bewiesen haben: sie kann Früchte tragen!

Kompliziertes und risikoreiches Verfahren

Dabei spielt das Alter des gespendeten Organs keine Rolle. Wichtig ist lediglich, dass es vom Körper der Empfängerin nicht abgestoßen wird. Daher eignen sich die Gebärmütter naher Verwandter der Empfängerin am besten für eine Transplantation, etwa von Mutter oder Schwester. Das klingt zunächst einfach. Jedoch muss in manchen Fällen auch auf ein verunfalltes Spenderorgan zurückgegriffen werden, was die ganze, ohnehin schon risikoreiche Sache schlechter planbar macht. Da in jedem Fall Medikamente genommen werden müssen, damit die Abwehrreaktion des Körpers ausbleibt und das Organ nicht abgestoßen wird, soll es entfernt werden, nachdem eine geglückte Schwangerschaft beendet worden ist. Die Transplantation selbst ist bereits sehr kompliziert. Wenn die Frau beispielsweise nie eine Gebärmutter hatte, fehlen möglicherweise wichtige Anschlussgefäße. Die Operation dauert da schon mal gut 12 Stunden. Da ist es nicht ausgeschlossen, dass auch mal etwas schiefgeht. „Man steckt da nicht drin“, muss man hier leider feststellen. Die Dunkelziffer misslungener Operationen ist höchst wahrscheinlich zwei- bis dreimal so hoch wie die der geglückten Transplantationen.

Von den Anfängen

Dieses komplizierte Verfahren ist in Deutschland zunächst lange Zeit von den zustimmenden Behörden abgelehnt worden. Man war sehr skeptisch ob des Risikos und der unrealistischen Chance auf Erfolg – nicht nur der Transplantation, sondern auch einer gelingenden Schwangerschaft. Von der moralischen Vertretbarkeit ganz zu schweigen. Als aber im Jahr 2014 durch den Arzt Brännström ein schwedisches Baby – das Erste weltweit – nach benanntem Prozedere das Licht der Welt erblickte, änderte sich auch in hierzulande alles. Denn Vincent, so heißt der kerngesunde Junge, blieb nicht das einzige Baby, das in Schweden oder anderswo auf der Welt nach einer Transplantation der Gebärmutter geboren wurde. Im November 2017 kam in den USA das weltweit 9. Baby auf diese Weise zur Welt und erfüllte seinen Eltern den lange Zeit unerfüllbaren Traum der Elternschaft. Auch in Deutschland sind inzwischen einige Gebärmütter erfolgreich verpflanzt worden. Es bleibt also nur eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande das erste Transplantationsbaby zur Welt kommt. Bleibt zu hoffen, dass in der Zukunft auch für anders geartete Fälle von unerfülltem Kinderwunsch ein Weg gefunden werden kann. Ist doch ein eigenes Kind der größte Wunsch nahezu jeder jungen Frau.

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